Melissa Naschenweng

Foto: Dieter Kulmer

Melissa Naschenweng: „Heimweh gut im Griff“

Ihr Markenzeichen ist die pinke Lederhose. Im Januar erschien Melissas drittes Album „Wirbelwind“. Im Interview spricht die Kärntnerin über Heimat, ihr Erlebnis mit Andreas Gabalier und über wichtige Ratschläge ihres Großvaters.

 

2018 war Melissa Naschenwengs Jahr: Mit Fröhlichkeit und Bodenständigkeit vom Geheimtipp zum gefeierten Live- und TV-Star!

 

Von Michi Jo Standl

 

Melissa Naschenweng hat im Januar ihr drittes Album „Wirbelwind“ veröffentlicht. Kein anderer Titel würde besser zu der quirligen Österreicherin passen.  Ihre Markenzeichen: Pinke Lederhose und gaaanz viel Fröhlichkeit. Warum so auffällig? „Pink ist meine Lieblingsfarbe“, gesteht die 28-Jährige. Ebenso gehört die Steierische Harmonika, ebenfalls in pink gehalten, zu ihr. Das Instrument ist bei den inzwischen über 150 Auftritten im Jahr immer dabei. Obwohl sie zwischendurch auch ohne Harmonika auftritt, kann sie sich nicht vorstellen, sie irgendwann zuhause zu lassen.

„In glamourösen Shows im Abendkleid aufzutreten, wie etwa Helene Fischer, das bin nicht ich. Man sollte immer das machen, was man spürt und womit man sich identifiziert“, so die Österreicherin. Ein bisschen Galaluft konnte sie aber im vergangenen Jahr bei der Verleihung des wichtigsten österreichischen Musikpreises, den „Amadeus Music Awards“, schnuppern. „Ich war zwar nicht nominiert“, lacht Melissa, „aber ich habe dort gespielt.“ Die Veranstalter haben sie mit ihrer pinken Harmonika auf ihrer Facebook-Seite entdeckt, Gefallen an ihr gefunden und sie als Showact eingeladen.

Verwurzelt im Lesachtal

„Ohne Harmonika hätte es bei mir nicht angefangen“, resümiert Melissa. Diese zu spielen hat sie bereits im Alter von sechs Jahren von ihrem Vater Andreas gelernt. Er ist seit 25 Jahren Teil der Lesachtaler Hobby-Formation Wolayersee Echo. Mit der Band hat sie auch die ersten Bühnenerfahrungen gemacht. Ihr Papa, wie Melissa ihren Vater Andreas liebevoll nennt, hat sie als Teenager zu Auftritten mitgenommen, um ein paar Lieder mit ihrer Harmonika mitzuspielen – Hochzeiten, Dorffeste, Bierzelte. Diese Zeit hat sie auch musikalisch fest in ihrer Kärntner Heimat im Lesachtal verwurzelt. Obwohl sie jetzt als Berufsmusikerin viel unterwegs ist, vergisst sie nie, wo sie herkommt.

Ihr Opa sagte zu Beginn ihrer Profikarriere zu ihr: „Melissa, versprich mir eines: Vergiss nie, woher du kommst, und vergiss nie die Ursprungslieder!“ Den Ratschlag ihres Großvaters nimmt sie sich heute noch zu Herzen. Bei jedem Auftritt spielt Melissa zwischen den poppigen Partysongs und volkstümlich-rockigen Nummern seine volkstümlichen Lieblingslieder – eine Herzenssache. Auch so lieben die Fans ihre Melissa!
Woanders zu leben, kann sie sich nicht vorstellen: „Hier habe ich meine Familie, hier wartet unser Hund auf mich, hier gehe ich in die Berge.“ Bei den vielen tausenden Kilometern, die sie jährlich zu den Auftrittsorten zurücklegt, hatte sie am Anfang extremes Heimweh. „Inzwischen habe ich das ganz gut im Griff“, sagt die Musikerin mit einem leichten Seufzer.

Andreas Gabalier sorgte für Herzklopfen

Den Kult, der vor allem in der Schweiz um sie gemacht wird, genießt Melissa zwar, kann ihn aber nicht nachvollziehen. Inzwischen haben Fans sogar ihren Stil übernommen, wie Melissa stolz erzählt: „Frauen kommen schon mit pinken Haaren zu meinen Auftritten. Eine junge Schweizerin hat sich sogar meine Harmonika und die ersten Zeilen eines meiner Lieder auf das Bein tätowieren lassen. Das ist schon verrückt.“ Sie weiß selbst gut, wie es ist, Fan zu sein. „Ich war ein unglaublich großer Hermann-Maier-Fan“, gesteht die Kärntnerin. Sie ist dem dreimaligen Ski-Weltmeister aus dem Salzburger Land zu den Rennen nachgereist, mit Plakaten am Pistenrand gestanden, hat ihn aus voller Brust angefeuert.

Sie weiß auch, wie man sich fühlt, wenn man einem Promi, den man sonst nur aus dem Fernsehen kenne, begegnet. „Als Andreas Gabalier zum ersten Mal vor mir stand, glaubte ich, das Christkind zu sehen“, scherzt Melissa. Sie hatte am Anfang ihrer Karriere schon die Möglichkeit, in Gabaliers Vorprogramm zu spielen. „Erst als er mich einlud, mich erst einmal hinzusetzen und meinte, man könne doch zusammen etwas trinken, legte sich meine Aufregung.“ Melissa weiß inzwischen: „Ob Künstler oder nicht, es sind alles nur Menschen! Die einen arbeiten auf der Bühne, die anderen woanders. Ich fühle mich nicht als Star.“ Im Gegenteil: Sie genießt Auftritte in kleinen Locations wie Diskotheken. „Da kann ich mit den Leuten nach dem Auftritt noch etwas trinken und quatschen“, so die umgängliche Musikantin.

„Ritterschag“ durch Nik P.

Zum Jahreswechsel war Melissa gleich zweimal im deutschen Fernsehen präsent: In einer Aufzeichnung in Ross Antonys „Die große Silvester Schlagerparty“ (MDR) und live in der „Silvestershow“ mit Jörg Pilawa (ARD). Für die österreichische Ausgabe der Kuppelsendung „Bauer sucht Frau“, moderiert von Arabella Kiesbauer, sang sie den Titelsong der Sendung ein: „Ich will ‘nen Bauern als Mann“. „ATV hat angefragt, ob ich das machen möchte. Da ich von einem Bauernhof stamme, passt das ganz gut“, sagt Melissa. Nur mit dem Wörtchen „‘nen“ im Titel, mit dem die Coverversion von Gittes „Ich will ‘nen Cowboy als Mann“ veröffentlicht wurde, ist sie nicht ganz glücklich. „Ich habe ‚ich will an Bauern als Mann‘ auf Österreichisch gesungen. Da bestehe ich drauf!“, erklärt Melissa mit einem Augenzwinkern.

Ihren persönlichen Ritterschlag hat sie aber durch Nik P. erfahren. Der Schöpfer des Dauerbrenners „Ein Stern (… der deinen Namen trägt)“ hat den Text seines Hits „Braungebrannte Haut“ extra für Melissa zu einer weiblichen Version umgeschrieben. „Wir Kärntner müssen zusammenhalten“, erklärte Nik P. damals. Besonders stolz ist sie auch darauf, weil der Musiker ihr Vorbild ist.

 

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